Die Kanzel

Es ist ein Zeichen der reformierten Prägung dieser Kirche, dass der Raum auf die Kanzel ausgerichtet ist. So wird deutlich, dass das Wort Gottes, überliefert in den Texten der Bibel, das Fundament des christlichen Glaubens ist.

Der Korb der Kanzel stammt aus der Barockzeit, als die Kirche nach dem Brand wiederaufgebaut wurde. Der Tischler Hermann Jobst Henrich Kampmeier (1744-1818) aus dem Nachbarort Schötmar (jetzt Ortsteil von Bad Salzuflen) hat ihn 1765 aus Eichenholz, Nussbaum-Furnier und Ebenholz angefertigt. Der Kanzelkorb ist fünfeckig mit einem regelmäßigen Achteck als Grundform.

Die Furniere zeigen im Wechsel die Muster Rose und Stern, beginnend mit einer Rose an der Frontseite. Die schwarzen Ebenholzsäulen betonen die Ecken und sind rechts- oder linksläufig schraubenförmig gewunden.

Profilleisten aus Eichenholz schaffen eine waagerechte Gliederung, die unten mit einem Bogen jeweils einen Platz für eine Verzierung frei lässt. Ob es jemals eine Verzierung oder eine Schrifttafel darin gegeben hat, ist nicht bekannt.

Es fällt auf, dass sowohl Rose als auch Stern nicht in der Form gestaltet sind, wie es die Wappen der Landesherrn erfordern: die Rose hat vier Blütenblätter statt fünf; der Stern hat vier Spit­zen statt acht.

Dass die Kanzel „Rose und Stern“ zeigt, passt gut zum früheren Brauch, offizielle Mitteilun­gen des Landesherrn von der Kanzel verlesen zu lassen. Das kann bis 1877 üblich gewesen sein, als die Trennung von Staat und Kirche endgültig vollzogen wurde.

Die älteste Fotografie vom Innenraum der Stadt­kirche zeigt, dass die Kanzel näher an der Rück­wand stand, so dass der Pfarrer von der angebauten Sakristei direkt darauf trat. Nach unten in die Kirche führte eine steile Stiege in der Wand. Sie ist im Foto rechts vor dem Stuhl sichtbar.

1962/64 wurden die Kanzel vorgerückt, auf der linken Seite um zwei Felder, mit Rose und Stern, verlängert, und auf eine neue Säule gestellt. Der Schalldeckel wurde entfernt und die Stiege in der Wand durch eine seitliche Treppe ersetzt. An die Stelle des schwarzen Vor­hangs setzte man eine hölzerne Wandverkleidung.

1982/83 erhielt die Kanzel wieder einen Schalldeckel. Der Zugang vom Sakristei-Anbau wurde geschlossen. Die seitliche Treppe und die Säule unter der Kanzel wurden neu gestaltet.